Rostock soll bienenfreundliche Stadt werden

14.11.2018 19:08

Ostseezeitung 10.10.2018

UFR-Fraktionsmitglied fordert mehr Insektenschutz, auch auf der Buga

Von Johanna Hegermann

Rostock. Rostock soll eine blühende, bienenfreundliche Stadt werden, das zumindest ist die Idee von Sonja Schweinitz. Einen entsprechenden Antrag will sie für die Fraktion UfR (Unabhängige für Rostock) noch im November der Bürgerschaft vorlegen. „Eigentlich soll es darum gehen, dass alle Insekten mehr geschützt und gefördert werden“, erklärt das Mitglied der Bürgerschaft.

Ihr Wunsch ist es, dass Rostock als erste bienenfreundliche Großstadt Deutschlands ein Vorreiter für andere Städte wird. Die Hobby-Imkerin will das Thema Bienenschutz nach Rostock bringen, weil sie dafür auf dem Land derzeit keine Chance sieht. „Durch die intensive, industrielle Landwirtschaft haben viele Tiere auf dem Land kaum noch eine Lebensgrundlage.“ In der Stadt hingegen sei das Angebot größer: Durch Kleingärten, Privatgärten und – wenn es gut gemacht ist – auch durch die öffentlichen Flächen. „Wir können da als Stadtgemeinschaft viel besser an den Schrauben drehen, als auf die Landwirtschaft zu warten –da ist die Lobby einfach zu stark.“ Grünflächen gehen verloren Doch auch in Rostock gibt es ein Problem für Bienen: Während sich die Stadt städtebaulich weiterentwickelt, gehen Grünflächen verloren. „Je mehr Flächen bebaut werden, desto wichtiger ist die Qualität der Bepflanzung. Wir brauchen einen Ausgleich zwischen menschlichen und tierischen Bedürfnissen“, betont Sonja Schweinitz. Dafür müsste jedoch ein Umdenken stattfinden – sowohl öffentlich als auch privat. „Man sollte einheimische, artenschutzgerechte Pflanzen bevorzugen, an die unsere heimischen Insekten und Singvögel angepasst sind. Also lieber Kornelkirsche statt Forsythie pflanzen“, gibt sie ein Beispiel. „Es wird auch viel zu häufig gemäht. So hat man zwar einen englischen, aber einen steril-toten Rasen.“ Man solle der Natur daher öfter ihren Lauf lassen.

Das ließe sich gerade im öffentlichen Raum einfach umsetzen. „Seltener Mähen kostet weniger, bedeutet viel weniger Aufwand und stärkt die ökologische Bedeutung der Fläche.“ Erste Schritte seien in Rostock schon gemacht worden. So setze das Grünamt auf den öffentli-chen Flächen zum Beispiel keine Pestizide ein. Auch die Aktion der Wildblumenbeete, die eigens zum 800. Stadtgeburtstag angelegt wurden, seien für Bienen uns Insekten ein Festessen. Doch es gibt noch mehr zu tun.

Bienenschutz als Buga-Thema Gerade im Hinblick auf die Bundesgartenschau, die 2025 in Rostock stattfindet, gebe es viele Möglichkeiten, Bienen und Insekten thematisch zu integrieren. „Die Buga soll auch solchen Themen gerecht werden, aber das erfordert Fachleute“, betont Dethardt Götze, Kustus vom Botanischen Garten der Universität Rostock. Nicht nur Landschaftsplaner, sondern auch Biologen oder Ökologen seien gefragt. „So eine Beratung bieten wir an.“ Doch das Interesse fehle bisher. „Bisher wird das Thema Insekten auf der Buga ignoriert. Es ist keine wirkliche Bundesgartenschau, sondern eher eine Bundesbauschau in einem grünen Mäntelchen“, ergänzt Sonja Schweinitz. Sie findet, dass mehr heimische Flora und Fauna präsentiert werden solle.

Doch warum sind Bienen so wichtig? Rund 560 Bienenarten gibt es in Deutschland. Rund 300 davon stehen auf der Roten Liste. „Sie sind ein essenzielles Glied unserer Nahrungskette. Sie sorgen dafür, dass aus Apfelblüten Äpfel werden, dass sich Samen und Früchte bilden, von denen wieder andere Tiere leben wie Kleinsäuger oder Vögel, letzten Endes auch der Mensch.“ Deswegen sei Bienenschutz vor Ort so wichtig. „Die Biene ist das Zugpferd für das Thema und für Maßnahmen in der Stadt. Doch es hat letztlich eine viel größere Dimension in jeder Hinsicht“, sagt Dethardt Götze.

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