Kreative Ideen für die Stadtverwaltung

22.05.2019 16:31

Ihr erklärtes Ziel ist, die wichtigen Dinge des wirklichen Lebens anzupacken. Welche sind das?
Das, was die Menschen im täglichen Leben bewegt. Das können zum Beispiel kaputte Gehwege sein, die dringend saniert werden müssen. Oder warum so viele Behinderten-Parkplätze zugeparkt sind. Oder was auf den städtischen Grünflächen passiert. Oder warum manche Spielplätze nicht barrierefrei zu erreichen sind. Ich sehe die pragmatischen Dinge und möchte unbedingt auch auf Details achten. Im Großen ist doch alles schön, aber im Kleinen ist so viel zu tun, an Stellen, die unspektakulär erscheinen.

Stichworte Verkehr und Mobilität – welche Ideen haben Sie dazu?
Ich würde gern mehr Leute aufs Fahrrad oder in den öffentlichen Nahverkehr bekommen – aber freiwillig. Wichtig ist die Verbindung mit dem Umland, damit wir die Pendler von der Straße kriegen. Zum Beispiel mit einem Parkhaus am Südblick – dann könnten die Menschen direkt in die Bahn steigen. Wir müssen den öffentlichen Nahverkehr komfortabler machen. Die Taktzeiten sind schon gut, lassen sich aber noch verbessern. Jobtickets in den Firmen würden auch helfen. Car-Sharing gibt es schon, vielleicht ist bei uns auch Bike-Sharing denkbar, so ähnlich wie in Amsterdam. Aber wir dürfen nicht die einen gegen die anderen ausspielen oder die Autofahrer gängeln.

In den unterschiedlichen Stadtteilen gibt es ganz unterschiedliche Probleme – wie können die gelöst werden?
Die Südstadt zum Beispiel entwickelt sich gut. Probleme gibt es im Nordwesten: Schmarl und Groß Klein sind schlecht an den ÖPNV angebunden. Dann der Nordosten: Dierkow und Toitenwinkel sollten noch attraktiver werden. Aber sie werden von der BUGA profitieren: Sie bekommen einen eigenen Badestrand an der Warnow. Und überall muss es schöner werden, wir brauchen dort gute Freizeitanlagen, es könnte Veranstaltungen und Konzerte geben. Wir dürfen diese Stadtteile nicht vernachlässigen.

Wie soll die kulturelle Entwicklung der Stadt weitergehen?
Ich hätte das neue Volkstheater ja auf die Mittelmole in Warnemünde gebaut. Dann hätten wir Sport und Kultur an einer Stelle gehabt. Nun müssen wir versuchen, das Bestmögliche aus dem beschlossenen Standort am Bussebart zu machen.

Sie möchten Studenten an die Stadt binden – wie?
Es wäre gut, studentisches Wohnen zu erleichtern, zum Beispiel auch in der Südstadt. Oder wir brauchen eine Kita für die Kinder der Studenten. Und wenn die Absolventen sich später selbständig machen wollen, wäre Unterstützung für die ersten Monate gut, vielleicht in städtischen Objekten. Viele bleiben dann auch in der Stadt, wenn ihr Unternehmen größer wird.

Wie soll sich Rostock in den nächsten Jahren insgesamt entwickeln?
Die Bevölkerungsprognose sieht etwa 225.000 Menschen bis 2030 vor. Man muss bedenken: Zur Wendezeit hatte Rostock fast 260.000 Einwohner, da hat der Platz auch gereicht. Aber inzwischen haben sich die Ansprüche beim Wohnen verändert. Früher waren Familien mit 50-qm-Wohnungen zufrieden, das geht heute nicht mehr. Ein anderer Punkt ist das Verhältnis zum Umland. Schon 2005 hätten wir gern etliche Umlandorte eingemeindet. Denn es war klar, dass immer mehr Leute dort wohnen, aber in Rostock arbeiten. Die Gemeinden bekommen die Steuern, aber das Oberzentrum hält Infrastruktur vor, die von den Umland-Bewohnern auch genutzt wird, etwa Kinos und Theater. Änderungen im Gesetz sind nicht zu erwarten, deshalb  müssen wir die derzeitigen Gegebenheiten kreativ gestalten. Dafür gibt es sogar schon Ansätze.

Roland Methling hat Sie als seinen Nachfolger ins Spiel gebracht. Von einem so großen Schatten muss man sich doch sicher irgendwann auch befreien?
Ist das ein Schatten? Ich betrachte es als eine Anerkennung und Lob, dass mich Roland Methling angesprochen hat und als die "richtige Wahl" zum Oberbürgermeister sieht. In der Zukunft werde ich hoffentlich noch das eine oder andere Mal auf den Rat von Roland Methling und auf seinen immensen Erfahrungsschatz zurückgreifen können. Das wäre ein Profit für unsere Stadt.

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