An alle Theaterfreunde

13.04.2015 13:53

Karen Leuchert

Sehr geehrte Damen und Herren,

es erreichen uns zurzeit viele Emails, die die Kündigung des Intendanten S.Lachinian kritisieren und eine Rücknahme und Wiedereinstellung fordern.

Ihre Meinung zu vertreten und auch in einer Demonstration zum Ausdruck zu bringen ist Ihr gutes Recht und würden wir von UFR uns zu vielen anderen wichtigen Themen der Hansestadt Rostock auch wünschen.

Ein Teil der Emails war eine vorgefertigte Anlage, die von Mitarbeitern des VTR unterschrieben an uns weiter geleitet wurde.

Was mich sehr betroffen macht, ist die Aggressivität, die in der Veranstaltung während der Hauptausschusssitzung durch die versammelten Demonstranten zutage trat. Da war kein Dialog möglich!  Fakten wurden einfach nicht zur Kenntnis genommen.

Das VTR erhält jährlich 18 Millionen Euro, durch die aktuelle Vereinbarung bis 2020 festgeschrieben. So sieht doch nicht Abbau von Kultur/Theater aus!

Daraus muss man interessantes und mitreißendes Theater machen!

In der derzeitigen Aktion zeigt sich, wie wichtig objektive Informationen sind.

Ohne Kenntnis von wichtigen Fakten zu haben oder diese zu hinterfragen, werden Parolen übernommen und Forderungen gestellt.

Oberbürgermeister Roland Methling hat sich viele Jahre für den Erhalt und die ausreichende Ausstattung des VTR eingesetzt, und die mit dem Land erreichte Vereinbarung über einen 18Mio.€-Zuschuss ist ein großer Erfolg. Diesen Zuschuss sinnvoll für ein vielseitiges Theaterangebot einzusetzen, den Bildungsauftrag zu erfüllen und den Zuzug von gut ausgebildeten zukünftigen Rostocker Einwohnern zu beleben, ist Aufgabe des Intendanten.

Eine unsachliche Debatte mit weit über die Grenzen der Meinungsfreiheit hinaus gehenden Äußerungen von Herrn Latchinian ist schädlich für das Theater und die Umgangskultur in der Hansestadt.

Herr Lachinian hat z.B. dramatisch inszeniert vor der Bürgerschaft erklärt, dass er sich keinesfalls um die Beschlüsse der „dilettantischen“ Bürgerschaft schert und diese auch keinesfalls umzusetzen gedenkt. Das ist Verweigerung des Arbeitsauftrages.

Auch der Vergleich mit dem IS-Terror und der SED-Diktatur geht weit über künstlerische Freiheit hinaus, denn hier wird keineswegs Kultur zerstört, sondern für die nachhaltige Entwicklung von Struktur und Programm entschieden.

Die langfristige Entwicklung unseres Volkstheaters in Zusammenhang mit den finanziellen Erfordernissen des Haushalts in der Stadt und im Land erfordert eine vertrauensvolle, ehrliche  und gleichgerichtete Zusammenarbeit aller Beteiligten.

Da das Vertrauensverhältnis durch den kämpferischen Einsatz von Herrn Latchinian gegenüber der Stadt erheblich belastet ist, finde ich die Kündigung angebracht.

Karen Leuchert

UFR-Mitglied

Zurück